17 Mrz

Es wird langsam hell in der großen Stadt.

Die aufgehende Sonne spiegelt sich in den Fensterfronten der hohen Straßenschluchten.Obwohl die Vögel schon zwitschern, scheint es still zu sein. So als läge alles noch in den letzten Zügen des Dämmerschlafes, bevor das Erwachen einsetzt.

Es ist Frühling geworden.

Sein Geruch hängt in den Büschen und versteckt sich auf Kinderspielplätzen. Er scheint willkommen und seine Anwesenheit hüllt alle Wege in tiefe Ruhe.

Ihre Schritte hallen wider vom Asphalt,der noch nicht ganz wieder aufgetaut ist.

In dem noch etwas zu spüren ist von der Angst zu erfrieren, die der Winter hinterlässt.

Sie ist allein auf der Straße, die von der U-Bahn-Station zu ihrem Zimmer führt. Es macht ihr nichts aus. Sie betrachtet das Leben, das langsam aber stetig hinter den Fenstern der Stadt erwacht.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie noch wach ist, bevor alle anderen erwachen.

Getanzt hat sie, die ganze Nacht. Gelacht, getrunken, gelogen und die Wahrheit gesprochen.

Und nun geht sie mitten durch den Frühling nach Hause. Wie schon so oft.

Doch diesmal ist etwas anders:

Ihr Bett ist nicht leer.

Ein Arm liegt darin.

Festgewachsen an einer wohlgeformten Schulter. Und ein Kopf liegt auf der linken Seite mitten auf ihrem Kissen. Mit braunen Augen, die vermutlich noch geschlossen sind.

Und in die Beuge dieses Armes wird sie ihren Kopf legen.

Sobald sie leise die Tür aufgeschlossen hat, ihre Schuhe abgestreift und ihre Haare zusammengebunden.

Wenn der Kopf seinen Platz in der Beuge gefunden hat, legt sie ihre Hand auf den Bauch, der auch irgendwie an diesem Arm hängt. Und sie spürt, wie der Atem regelmäßig den Bauch füllt und ihn leise strömend wieder verlässt.

Kurz bevor sie ihre Augen schließt, die ihrerseits blau sind, flüstert sie gegen einen warmen, sich hebend und senkenden Brustkorb:

„Du bist mir das Liebste und Schönste auf der Welt. Das weiß ich, denn ich habe sie heute betrachtet. Deshalb kam ich zu dir zurück. Und das würde ich wieder tun.“

Da legt sich dieser Arm um sie. Umschließt sie.

Und obwohl die Vögel zwitschern, scheint es ruhig zu sein.

Und die Ruhe hüllt sie ein.

Und nichts ist mehr zu spüren von der Angst zu erfrieren, die der Winter hinterlässt.

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3 Antworten to “”

  1. ps März 17, 2010 um 10:12 am #

    was haben sie betrachtet? das hab ich nicht ganz verstanden… schreiben können sie jedenfalls…

  2. zerbolesch März 19, 2010 um 8:14 pm #

    Die Liebe. Die hat Sie betrachtet. Und wie gut sie es anscheinend getroffen hat. Ein bisschen kitschig, viel zu Menschenfreundlich, aber wirklich schön geschrieben 🙂

  3. Herzmaedchen ♥ Mai 16, 2010 um 3:00 pm #

    Ich denke, die Welt war es, die sie betrachtet hat.

    Wundervoll geschrieben. ♥

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